Die Frage stellt sich inzwischen vermutlich jeder Betriebsinhaber, der etwas verkauft: Wenn ein möglicher Kunde ChatGPT nach einem Anbieter für mein Thema fragt — komme ich darin vor? Und wenn nicht: Was kostet es, das zu ändern? Seit gut zwei Jahren versprechen rund sechzig Anbieter, Sichtbarkeit in KI-Antworten zu messen, zu verbessern oder beides. Der Einstieg kostet im Mittel etwa 75 Euro im Monat, nach oben ist die Spanne offen. Dieser Artikel fasst zusammen, was die unabhängige Forschung zu dieser Frage inzwischen sagt. Das Ergebnis ist unbequem — für die Anbieter, und in einem Punkt auch für die Kunden selbst. Es ist aber verwertbar: Am Ende dieses Artikels steht, was Sie tatsächlich wissen können und was davon Ihr Geld wert ist.
Die Messung schwankt stärker als das Gemessene
Das ist der Befund, an dem alles hängt.
Eine Untersuchung hat 12.933 Antworten von KI-Systemen zerlegt — 20 Marken, acht Sprachen, drei Systeme — und gefragt, woher die Unterschiede zwischen den Antworten eigentlich kommen. Das Ergebnis in drei Zahlen:
- 34,8 Prozent der Streuung entstehen allein dadurch, dass dieselbe Frage noch einmal gestellt wird.
- 26,5 Prozent entstehen durch die Sprache der Anfrage.
- 1,5 Prozent entfallen auf die Marke selbst — also auf das, was eigentlich gemessen werden soll.
Die Zuverlässigkeit einer einzelnen Antwort liegt bei 0,0146. Für eine belastbare Rangfolge wären nach dieser Arbeit 37 bis 51 Antworten pro Frage nötig; bei drei von dreißig geprüften Kombinationen stabilisierte sich das Ergebnis auch nach 125 Durchläufen nicht.
Eine zweite Arbeit misst dasselbe von der anderen Seite: Stellt man einem System wiederholt dieselbe Frage, überschneiden sich die zitierten Quellen nur zu 30 Prozent (Gemini), 40 Prozent (SearchGPT) und 50 Prozent (Perplexity). Selbst das stabilste System teilt also nur die Hälfte seiner Quellen mit sich selbst.
Übersetzt in die Praxis: Eine Software, die fünfzehn Fragen einmal täglich abfragt — das ist der übliche Einstiegstarif — erzeugt eine Zahl ("Wie oft wird mein Unternehmen bei Frage XY von der KI genannt?"), deren Schwankung größer ist als das, was sie messen soll.
Steigt dieser Wert z.B. von 12 auf 18 Prozent, sieht es so aus, als sei dieser gestiegen - stellen Sie die gleiche Abfrage morgen erneut, stehen dort plötzlich 14% oder 7% oder 21% - das Ergebnis ist quasi genauso verlässlich als würden Sie das Resultat würfeln.
Erschwerend kommt hinzu: Es gibt keinen einheitlichen Messwert. Praktisch jeder Anbieter rechnet einen eigenen Sichtbarkeitsindex, und keiner davon ist mit einem anderen vergleichbar oder von außen nachrechenbar.
Niemand belegt, dass es wirkt
Die zweite Beobachtung ist ebenso schlicht: In einer Durchsicht von 59 Anbietern findet sich kein einziger von unabhängiger Seite geprüfter Wirkungsnachweis.
Was es gibt, sind Selbstauskünfte ohne Ausgangswert und ohne Methode — „6-fache Sichtbarkeit", „plus 71 Prozent", „zehnmal mehr Traffic in drei Monaten". Keine dieser Angaben nennt, womit verglichen wurde, über welchen Zeitraum, und was in derselben Zeit ohne die Maßnahme passiert wäre. Bemerkenswert ist dabei, dass ausgerechnet die teuersten Anbieter mit den größten Namen als Referenz gar keine Vorher-Nachher-Zahlen zeigen.
Der bislang umfassendste unabhängige Überblick wertet 45 Studien aus und kommt zu dem Schluss, dass keine der geprüften Techniken einen stabilen, über Zeit und Plattformen hinweg nachweisbaren Effekt auf die Auffindbarkeit zeigt. Für die These, dass Sichtbarkeitswerte Klicks oder Umsatz vorhersagen, stuft die Arbeit die Vertrauenswürdigkeit der Belege als „sehr gering" ein. Ihr Fazit in einem Satz: Das Marketing verspricht etwas, was das Produkt nicht halten kann.
Zwei Maßnahmen, die nachweislich nichts bringen
Zwei Empfehlungen waren lange Zeit Teil jedes Angebots. Für beide ist die Beweislage nicht unklar, sondern negativ.
Die Datei `llms.txt`. Sie soll KI-Systemen mitteilen, was auf einer Website steht. Eine Auswertung über 137.210 Domains ergab: 97 Prozent dieser Dateien wurden im Untersuchungsmonat kein einziges Mal abgerufen. Bei den übrigen drei Prozent stammten die Zugriffe zu 96 Prozent von Programmen — und darunter kamen mehr von SEO-Prüfwerkzeugen (21,7 Prozent) als von KI-Bots (19,5 Prozent). Weitere 12,1 Prozent entfielen auf Werkzeuge, die `llms.txt` selbst untersuchen. Ein nennenswerter Teil der Anfragen auf diesen Dateien entsteht also dadurch, dass jemand nachschaut, ob sie überhaupt Anfragen bekommen.
Am deutlichsten wird es durch einen Gegentest: angeblich sei die `llms.txt` unglaublich wichtig für die Sichtbarkeit — man müsse die Datei haben, damit die eigene Website von KI-Chatbots gefunden und empfohlen wird. Ein Brite hat getestet, ob die "Beweise" dafür was taugen.
Sein Test: Er hat eine komplett alberne Datei erfunden — `cats.txt`. Darin steht, welche Katzen in seinem Büro wohnen, welchen "Job" sie haben und wie gern sie schnurren (Skala 0–10). Reiner Blödsinn. Dann hat er geprüft: Bestehen meine Katzen dieselben Tests, mit denen `llms.txt` als Erfolg verkauft wird? Ergebnis: alle vier, ohne Probleme.
Der eigentliche Punkt: Eine KI weiß nicht, ob was funktioniert. Sie gibt wieder, was die meisten Leute im Internet dazu schreiben — wie ein Stammtisch, der die verbreitetste Meinung nachplappert, nur mit besseren Worten. Als sich rumgesprochen hatte, dass die Katzendatei ein Witz ist, sagte ChatGPT plötzlich: Witz. Datei unverändert, nur das Gerede drumherum war anders.
Was das praktisch heißt: Wenn eine Agentur mit "die KI-Bots holen sich das" oder "ChatGPT hat mir bestätigt, dass das wirkt" ankommt — das sind keine Belege. Das passiert bei jeder x-beliebigen Datei im Netz. Die Datei anzulegen kostet fast nichts, kann man machen. Aber Geld dafür ausgeben ist Geld, das für Dinge fehlt, die nachweislich Kunden bringen.
Nachträglich ergänzte strukturierte Daten. Hier ist die Korrelation stark: Seiten, die von KI-Systemen zitiert werden, tragen fast dreimal häufiger strukturierte Daten. Im kontrollierten Test aber — 1.885 Seiten, die solche Daten neu ergänzten, gegen vergleichbare Seiten ohne Änderung — zeigte sich kein messbarer Zuwachs an Nennungen. Die naheliegende Deutung: Strukturierte Daten finden sich auf ohnehin besser gepflegten Seiten. Sie sind ein Symptom von Qualität, nicht ihre Ursache.
Eine Maßnahme, die schadet
Die Studie, auf die sich die Branche am häufigsten beruft, wird meist mit „bis zu 40 Prozent mehr Sichtbarkeit" zitiert. Sie existiert, und sie sagt etwas anderes: Die 40 Prozent wurden in einer nachgebauten Testumgebung gemessen, in der die eigene Quelle bereits vorlag. Ob die getesteten Maßnahmen überhaupt dazu führen, dass eine Seite gefunden wird, hat die Arbeit ausdrücklich nicht untersucht. Ein selten zitiertes Nebenergebnis derselben Studie: Das Häufen von Schlüsselwörtern senkt die Sichtbarkeit um 8,3 Prozent.
Eine neuere Arbeit baut die vollständige Kette nach — Auffinden, Sortieren, Antworten, über 171.000 Dokumente und 2.700 Anfragen. Ihr Ergebnis: Reine Textoptimierung senkt die Wahrscheinlichkeit, überhaupt in die engere Auswahl zu kommen, um rund 9 Prozent; nach dem Sortierschritt sind es 16 Prozent, und die Zitationswahrscheinlichkeit fällt um 6 Prozent. Was im Antwortschritt hilft, schadet im Auffindeschritt — und der kommt zuerst.
Wie groß der Kuchen überhaupt ist
Wiewohl man meinen könnte, alle Welt nutzt nur noch KI, um im Internet Antworten auf Fragen zu finden: die Wirklichkeit sieht anders aus.
KI-Plattformen liefern derzeit 0,15 bis 0,25 Prozent des weltweiten Internetverkehrs. Über 93 Prozent der ChatGPT-Antworten zitieren überhaupt keine Quelle. Und das Verhältnis von Abrufen zu zurückgeschickten Besuchern liegt bei einem der Anbieter bei 1.782 zu 1 — auf 1.782 abgerufene Seiten kommt ein Besucher auf Ihre Website.
Wer KI-Sichtbarkeit als Besucherquelle verkauft, verkauft also heute einen sehr kleinen Kuchen - um nicht zu sagen: ein paar Krümel.
Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit, und die andere Hälfte ist der eigentliche Grund, sich damit zu befassen: Die klassische Suche verliert parallel an Boden. 68 Prozent der Google-Suchen enden inzwischen ohne einen einzigen Klick; pro tausend Suchen erreichen nur noch 276 Klicks das offene Netz, gegenüber 374 im Jahr davor. Und die bequeme Annahme, gutes Ranking genüge, trägt nicht mehr: Nur 12 Prozent der von KI-Systemen zitierten Adressen stehen in Googles ersten zehn Ergebnissen.
Es geht bei dem Thema also weniger darum, User auf Ihre eigene Website zu lotsen als darum, in einer Empfehlung vorzukommen — an der Stelle, an der früher jemand einen Bekannten gefragt hat.
Was Sie trotzdem wissen können
Aus alledem folgt nicht, dass man nichts messen kann. Es folgt, dass anders gemessen werden muss.
Wenige Fragen, oft gestellt — statt vieler Fragen, einmal gestellt. Wenn eine Einzelantwort ein Zufallsprodukt ist, hilft nur Wiederholung. Zehn Fragen fünfzehnmal zu stellen ist aussagekräftiger als hundert Fragen einmal, und es kostet weniger.
Nur Fragen, in denen ein Anbieter überhaupt vorkommen kann. „Wie plane ich eine Bewässerungsanlage?" wird nie eine Firma nennen. „Wer plant Bewässerungsanlagen im Raum Düsseldorf?" schon. Wer die erste Sorte misst, misst dauerhaft null und hält es für ein Ergebnis.
Häufigkeiten statt Punktwerte. „In 4 von 15 Durchläufen genannt" ist nachvollziehbar und nachrechenbar. Ein Sichtbarkeitsindex von 27,4 ist es nicht.
In der Sprache messen, in der Ihre Kunden fragen. Die Sprache erklärt 26,5 Prozent der Antwortstreuung. Wer für deutsche Kunden auf Englisch misst, misst ein anderes System.
Und die Grenzen mitliefern. Diese Messungen laufen über Programmierschnittstellen — ohne Anmeldestatus, ohne Gesprächsverlauf, ohne Standort des echten Nutzers. Was gemessen wird, ist nicht exakt das, was Ihr Kunde sieht. Diese Einschränkung gilt für jedes Werkzeug am Markt.
Das gilt auch für die Content-Pipeline von structifai
An dieser Stelle gehört ein Satz hin, den man in Anbietertexten selten liest:
Alles Vorstehende trifft auf unsere eigene Messung ebenso zu. Auch wir fragen über Schnittstellen ab. Auch bei uns schwankt eine Einzelantwort. Wir können Ihnen nicht garantieren, dass Sie nach drei Monaten in KI-Antworten vorkommen — niemand kann das, und wer es tut, verkauft Ihnen etwas, das er nicht einlösen kann.
Was wir daraus gemacht haben, ist die Konsequenz aus dem Befund: Wir messen wiederholt statt einmal, berichten Häufigkeiten mit Stichprobengröße statt eines Punktwerts, messen auf Deutsch, und schreiben die Grenzen der Methode in den Bericht.
Vor allem aber ist die Messung bei uns nicht das Produkt. Sie ist eine Beobachtung.
Was tatsächlich hilft
Was nach dem Aussortieren übrig bleibt, ist unspektakulär und ziemlich altmodisch.
Es muss etwas dastehen, das eine Maschine lesen kann. Viele Firmenwebsites liefern einem Programm ohne JavaScript eine leere Seite — der Text erscheint erst, wenn ein Browser ihn zusammenbaut. Suchmaschinen kommen damit meist zurecht, viele KI-Systeme nicht. Das ist ein technisches Problem mit einer technischen Lösung, und es ist nachweisbar behoben oder eben nicht.
Es muss inhaltlich etwas dastehen, das eine Antwort verdient. Ein System, das eine Frage beantwortet, sucht nach belastbarem Material — Zahlen mit Quelle, klare Gliederung, echte Fachkenntnis. Ausgerechnet das, was seit jeher gute Fachtexte ausmacht.
Und es muss regelmäßig etwas dazukommen. Nicht in Schüben, sondern verlässlich. Wer Tricks sucht, findet nach der oben zitierten Forschung vor allem Wege, sich zu schaden. Wer Substanz veröffentlicht, hat sie auch dann, wenn die nächste Abkürzung durchs Dorf getrieben wird.
Häufige Fragen
Lohnt sich ein Werkzeug zur KI-Sichtbarkeit überhaupt?
Als alleiniges Werkzeug selten. Es zeigt eine Zahl, die stark schwankt, und sagt nichts darüber, was zu tun ist. Sinnvoll wird die Messung, wenn sie an eine Veröffentlichung gekoppelt ist — also wenn Sie beobachten können, was sich verändert, nachdem etwas erschienen ist.
Sollten wir eine `llms.txt` anlegen?
Sie kostet nichts und schadet nicht. Erwarten Sie keine Wirkung, und zahlen Sie niemandem Geld dafür.
Wie lange dauert es, bis man etwas sieht?
Ehrlich: unbekannt. Es gibt keine belastbare Studie zur Zeitspanne. Was sich schnell zeigt, sind Leserzahlen und Reaktionen auf einzelne Artikel — nicht die Sichtbarkeitsquote.
Bringt KI-Sichtbarkeit Besucher auf meine Website?
Kaum. Der Verkehr aus KI-Plattformen ist im Promillebereich. Was sich verändert, ist die Empfehlungslage: ob Ihr Name fällt, wenn jemand nach Ihrem Thema fragt.
Ist das dann nicht einfach normales SEO?
Zu einem großen Teil ja — und das ist eine gute Nachricht, weil es bedeutet, dass Sie nichts Neues lernen müssen. Der Unterschied liegt in der Messung: Ranglisten und Klicks sagen immer weniger darüber aus, ob Sie in einer Antwort vorkommen.
Dieser Artikel wurde mit Unterstützung von KI erstellt.
